Einmal Festland- immer Festland

 

Vor einer gefühlten Ewigkeit, aber im Grunde genommen doch erst vor 3,5 Jahren, zog ich in die WG-Festland. Nervosität? Positiv. Skepsis? Vorhanden. Man muss wissen, ich bin eine sehr unsichere und vor allem ängstliche Jugendliche gewesen. Demnach war ein Einzug in ein fremdes Haus, mit einem Haufen fremder Menschen inklusive, eher suboptimal für meine damalige Welt. Dennoch war ich mehr als erleichtert, als ich endlich mit meinem ganzen Kram in meinem Zimmer stand. Überfordert, aber erleichtert.

Die erste Zeit war kein Spaziergang durch ein Blumenfeld, denn aller Anfang ist bekanntlich schwer. Doch trotz anfänglichem Stolpern gewöhnte ich mich rasch an mein neues Zuhause.

Eines meiner ersten Highlights war unser Urlaub. Nicht nur irgendein Urlaub, es war mein erster. Ich habe in dieser Woche mehr gelernt, als man sich von einem Urlaub erwarten würde. Sei es mich meinen Ängsten zu stellen oder zu erfahren, welchen Unterschied es macht, ob man alleine im Regen steht oder gemeinsam, singend, als Zwerge durch den Bahnhof stampft.

Gemeinsame Aktivitäten sind keine Seltenheit. Sei es ein Musikprojekt, Ausflüge nach Prag, oder manchmal auch nur mit einer Betreuerin/einem Betreuer in der Küche lauthals zu Queen zu singen (es wird nicht immer in der Küche gesungen, wir kochen auch).

Schlichtweg könnte ich über meine WG-Zeit einen Roman schreiben, aber zieht man aus der WG aus, hat die Geschichte noch kein Ende. Man schreitet in sein nächstes Abenteuer: Grüß dich, Trainingswohnen! Plötzlich wuseln keine 9 weiteren Jugendlichen mehr durchs Haus, sondern man ist entweder zu zweit, oder alleine in einer Wohnung. Die naive „Kein WG-Putz mehr!“-Vorstellung schwindet, wenn man realisiert, dass man plötzlich nicht mehr einen Raum, sondern die Wohnung putzen muss. Das Essen zaubert sich leider nicht mehr selbst in den Kühlschrank und auf dem Tisch werden auch keine Speisen serviert. Klingt nach einer deprimierenden Situation? Nein, ganz und gar nicht. Man wächst jeden Tag an den neuen Herausforderungen. Und braucht man Rat oder schlichtweg nur eine Umarmung, wusste ich immer wo ich anläute.

Heute wohne ich in meiner eigenen Wohnung, offiziell nicht mehr in Betreuung und keineswegs mehr das schüchterne Mädchen.

Aber was soll ich sagen? Einmal Festländer, immer Festländer. Und so fühlt es sich auch an.

 

Shine